Anton – die Lernplattform

Sachaufgaben von anton.app

Sachaufgaben von anton.app

Wenn eine schlichte, aufgeräumte Oberfläche mit unspektakulärer aber stringenter Menüstruktur bei näherer Betrachtung zahllose Lerninhalte zu Mathematik, Deutsch und verschiedenen Sachfächern offenbart, dann hat man vermutlich Anton entdeckt. „Anton“ ist glücklicherweise mal kein mühsam zusammengeschustertes Akronym, sondern einfach ein netter Name für eine tolle App, die sich gleichsam als Website oder in Form einer Smartphone-App für Android oder iPhone bzw. iPad erkunden lässt. Im momentanen Ausbaustand enthält Anton Übungs- und Lernaufgaben zu Mathematik und Deutsch der Klassen 1 bis 6, verschiedenen Lernfeldern des Sachunterrichts, Musik und DaZ.

Als Lehrer angemeldete Benutzer können in Anton eigene Gruppen anlegen. Jeder Gruppe können daraufhin einzelne oder mehrere Schüler hinzugefügt werden (aus datenschutzrechtlichen Gründen verbieten sich dabei natürlich die Echtnamen der Schüler). Einzelne Lerninhalte lassen sich für eine Gruppe anpinnen, also an prominenter Stelle der Schüler-App anzeigen (dazu die Pinnadel unter der Überschrift der jeweiligen Lerneinheit anklicken). Die Inhalte müssen dabei einer einzelnen Kalenderwoche zugeordnet werden – vielleicht wäre hier die Eingabemöglichkeit eines freien Zeitraums ein guter Gedanke für die zukünftige Entwicklung. Ein Mausklick in der Gruppenverwaltung auf Schüler-Codes drucken liefert pro Schüler ein personalisiertes Anmeldekärtchen. Mit diesen Informationen – oder einfach dem QR-Code des Kärtchens, der sich mit der App scannen lässt – melden sich die Schüler dann bei Anton an und arbeiten künftig in ihrem persönlichen Account. Und vielleicht möchten sie dabei auch gleich die Soundausgabe von ihrem Smartphone oder PC auf lautlos stellen, denn die Sprachausgabe der einzelnen Aufgaben lässt sich in Anton leider nicht völlig deaktivieren.

Spiel in anton.app

Spiel in anton.app

Nach erfolgreich absolvierten Übungseinheiten, die sich je nach Schwierigkeitsgrad teils in wenigen Minuten aber teilweise auch erst mit Nachdenken und/oder Nebenrechnungen lösen lassen, erhält der Schüler eine virtuelle Münze, die er sammeln und nach Lust und Laune in der Spiele-Ecke von Anton einlösen kann. Wer bereits bei dem Gedanken an die drögen Spielchen das Gähnen anfängt, die normalerweise ähnlichen Lernprogrammen beiliegen, wird bei Anton auf das angenehmste enttäuscht werden. Bisher (leider fehlen mir noch ein paar Münzen um alle Spiele auszuprobieren) waren sämtliche Spiele teils lehrreich, aber vor allem kurzweilig und spannend – und weil ich als Lehrer dafür vielleicht nicht ganz die passende Zielgruppe bin, hat mein 10- und 12jähriges Test-Duo diese Aussage nochmal verifiziert. Zum Einstieg empfehle ich gleich mal den „Stroop Test“ (momentan noch ganz oben im Menü, weil neu), der beim Spielen verblüffendes Schmunzeln hinterlässt.
Der Lehrer hat in seiner Benutzeroberfläche die Möglichkeit, für jeden Schüler seiner Gruppen die Lernaktivitäten und deren Erfolg oder Misserfolg nachzuvollziehen. Falsche (und natürlich auch die richtig gelösten) Aufgaben lassen sich einzeln herauspicken und die Fehler analysieren – wobei das bei einer ganzen Klasse durchaus zu längeren Klick-Orgien ausarten kann. Die Einheiten lassen sich alle wiederholen, leider bringt Anton vielfach die selben Aufgaben mit den gleichen Zahlen in identischer Reihenfolge. Laut Aussage der Entwickler soll sich dieses Verhalten mit einer wachsenden Zahl an Aufgaben jedoch verbessern.
Die App benötigt zum erstmaligen Start, zum Anmelden und zum Laden der Aufgaben eine Internetverbindung. Wurde ein Aufgabengebiet erstmal in der App bearbeitet, lassen sich die enthaltenen Übungseinheiten jedoch anscheinend auch offline verwenden und bearbeiten – das würde dem klassischen Schüler-Handy entgegenkommen, dessen Datenvolumen bereits zu Monatsanfang für Youtube & Co draufgegangen ist.

There ain’t no such thing as a free lunch – oder doch?

Die Informationen auf der Webseite bzw. in der Anton-App sprechen von „kostenlos“. Spätestens nach meinem Reinfall mit dem „ewig kostenlosen“ Actionbound frage ich bei solchen Aussagen lieber nochmal nach. Nach Aussage der solocode GmbH, die hinter der Entwicklung und dem Betrieb von Anton steckt, bleibt Anton im heutigen Umfang dauerhaft kostenlos und werbefrei! Allerdings wird es eine Plus-Version für Schüler mit besonderen Features geben und eine Pro-Version für Schulen mit zentraler Verwaltung und verbesserter Lernstandsdiagnostik. Damit könnte ich – und vermutlich auch viele meiner Kollegen – prima leben 🙂

Fazit? Ausprobieren!
https://anton.app/

8 Kommentare zu "Anton – die Lernplattform"

  1. Ist Anton für Schule auch frei oder muss man etwas bezahlen?
    Vielen Dank!

  2. Nur was die Datensicherheit angeht, ist nicht alles klar: https://forum.kuketz-blog.de/viewtopic.php?f=49&t=4918
    Mir fehlt leider die Fachkenntnis um das Ganze zu beurteilen, aber auf jeden Fall ist Datensicherheit auch ein Aspekt, den man bedenken muss, und möglicherweise ist die app dann auch kein free lunch mehr.

  3. Gerda Körzell | 25. März 2020 um 15:31 | Antworten

    Ärgerlich ist, dass ich mich anmelden will und keine E-Mail mit Bestätigungscode bekommen habe! Wie geht es dann weiter? Ich konnte mich auch kein 2.Mail anmelden, da meine Daten gespeichert waren…

  4. Diese App kommt unter mit ganz guten Aufgaben daher. Allerdings stößt man immer wieder auf Werbung für die zahlungspflichtige Anton Plus Version. Pädagogisch fraglich finde ich es, wenn jüngere Schüler für jede Leistung mit virtuellem Geld belohnt werden und dann einige Minuten vor sich hin daddeln können. Das ist kein effektives Lernen: Zeit wird für die Spieleauswahl und das Spiel vergeudet. Die Schüler werden unnötig länger vor dem Bildschirm gehalten. Manche Spiele fallen in die Rubrik Verteidigungsspiele. Kinder, die vorher noch keine virtuellen Spiele gemacht haben werden hier durch die Schule an das Computerspielen herangeführt. Für alleine zu Hause macht das in den Grundschulklassen wenig sind. Die App Anwendung der App muss von Lehrern oder Eltern unbedingt begleitet werden. Es muss ein Gespräch über diese Belohnungssystem und den Inhalt der Spiele stattfinden. Geschieht das nicht, dann sehe ich hier erhebliche Nachteile. Lehrer könnten digitale Aufgaben auch ohne Verknpüfung mit Computerspielen zur Verfügung stellen. Das wäre meiner Meinung nach sinnvoller!

    • Wir sind früher (in den 80ern) auch mit Computerspielen und Fernseher groß geworden (zum Teil ist aus uns auch was geworden).

      Zwar bin ich kein Lehrer (sondern nur ein besorgtes und im Moment manchmal überfordertes Elternteil), allerdings halte ich diese App für sehr gut. Und das bißchen Daddeln wird meinen Kindern nicht schaden. Durch die momentane Schulpolitik in diesem Lande (kein einheitliches System, kein Online Unterricht) verbringen sicherlich sehr viele Schüler Ihre Freizeit vor dem Internet oder Computer (großteils ohne Eltern die einen Blick darauf haben und mit Computerspielen bei denen Sie vermutlich erschaudern würden!).

      In der Theorie mag Ihre Meinung richtig sein (und ich respektiere diese auch), aber diese mag in der Realität in einigen behüteten Familien zutreffen. Im Großteil des Landes haben wir derzeit ganz andere Probleme (und davon haben Sie sicherlich schon gehört).

      Ich bin jedenfalls froh das meine Kinder (2. Schuljahr und Vorschule) sich selbständig (!) nach einer Einweisung mit der App beschäftigen und super motiviert daran arbeiten (und ja, auch manchmal auch daddeln – es sei Ihnen gegönnt). Denn ich muss jedenfalls ganztägig noch arbeiten (meine Frau übrigens auch). Von daher sollten Sie künftig auch mal an den Querschnitt der Bevölkerung denken bei der Verfassung von Kommentaren.

      Und ja, ich gebe Ihnen in der Hinsicht recht, dass diese App von den Lehrern begleitet werden kann/soll. Im Moment sieht die Begleitung von der Schule aber so aus, dass wir einmal wöchentlich mit der Lehrerin kommunizieren (was wir nach sieben Wochen endlich mal geschafft haben) und ansonsten eine Menge Zeug zugeschickt bekommen was unsere Kinder durcharbeiten sollen bzw. wir diesen neben Beruf, Haushalt, emotionalem Stress und Zukunftssorgen beibringen sollen. Von daher ist mir da jede Unterstützung recht. Das mein Sohn einen Tag pro Woche in die Schule geht ist nett, aber auch nicht mehr.

      Ich kann jedenfalls dankbar sein, dass ich erstens noch einen Job habe und zweitens flexibel von zu Hause arbeiten kann (was machen dann die Eltern die das nicht können oder die, die bspw. gar kein Deutsch sprechen und Ihren Kindern helfen können?).

      Ich hoffe jedenfalls, dass wir alle halbwegs glimpflich aus der Krise kommen und in Zukunft so einiges in der Bildung ändern und modernisieren. Wie sagte letztens so treffend eine Professorin im Fernsehen. „Wir machen das für die wichtigsten Personen im Lande, unsere Kinder“.

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