SpeedCommander

Windows liefert zum Hantieren mit Verzeichnissen und Dateien den Explorer frei Haus. Mit viel Geklicke hangelt man sich damit durch Verzeichnisbäume, doch spätestens beim Kopieren von Dateien muss meist ein zweites Fenster her, möchte man nicht die Zwischenablage bemühen. Rasch hat man so einige Instanzen des Programms offen, sodass sich wichtige Teile der Fenster grundsätzlich gegenseitig verdecken. Abhilfe verschaffen Tools wie etwa der SpeedCommander von Sven Ritter.
SpeedCommander mit FTP-FensterWer bereits zu seligen DOS-Zeiten Umgang mit dem PC pflegte, erinnert sich sicherlich an das Hilfprogramm „Norton Commander“ mit dessen zweifenstriger Benutzeroberfläche sich spielend leicht durch die damals noch recht übersichtlichen Festplatten navigieren ließ. An dieses Konzept lehnt sich der SpeedCommander an. Öffnet man in den beiden Fensterhälften jeweils einen anderen Ordner, so lassen sich Dateien spielend leicht und wahlweise per Maus oder – viel schneller – per Hotkey verschieben, kopieren oder löschen. So bleibt Quell- und Zielordner der gewünschten Dateioperation immer sichtbar, die Navigation durch die Ordner gelingt nach kurzer Eingewöhnung im Sauseschritt. Die NC-gewohnten DOS-Veteranen können hier ihre alten Gewohnheiten ausleben – viele Hotkeys der Funktionstasten entsprechen dem Vorbild. So kopiert man mit der F5-Taste eine Datei, mit F6 wird sie verschoben und mit Strg+’Bild nach oben‘ gelangt man eine Verzeichnisebene nach oben.

Ein echtes Highlight ist der eingebaute Dateibetrachter, der auf die F3-Taste hört. Egal auf welcher Art von Datei der Cursor steht, mit SpeedView kann man auf die Schnelle einen Blick hineinwerfen, zumeist ohne das eigentliche Programm starten zu müssen. Beispielsweise werden Word-Dateien und JPEG-Bilder von SpeedView ohne Probleme angezeigt, während sich für PDFs der Internet-Explorer mit passendem Plugin im Fenster öffnet. Ebenso einfach wie das Betrachten ist das Editieren von Dateien. Auch riesige Textdateien – ausprobiert habe ich Größen jenseits der 2 MB – lassen sich mit Hilfe des mit der F4-Taste gestarteten SpeedEdits, betrachten, verändern und anschließend speichern. Sämtliche nötige Operationen wie etwa Suchen und Ersetzen, Kopieren und Einfügen, etc. liefert das Programm genauso mit wie allerhand Ansichts-Optionen, so zum Beispiel Zeilennummerierung, Syntax-Highlighting, Markierungsleiste, etc., sodass auch mit größeren Dateien übersichtlich hantiert werden kann.

Der Web-Bürger von heute verwaltet seine Daten natürlich nicht nur auf der lokalen Festplatte, sondern unterhält selbstverständlich eine bunte Mischung verschiedener Netzwerklaufwerke, inklusive verschiedener FTP-Server für Homepage, Blog oder ähnlichem. Auch dort gelingt es dem SpeedCommander zu glänzen. Schnell ist ein neuer FTP-Standort erstellt, in dessen Eigenschaften Servername, Zugangskennung und nach Belieben auch das Passwort eingetragen werden kann. Eine FTP-Verbindung zum eigenen Server kann so per Mausklick (oder Tastendruck) in einer Fensterhälfte geöffnet werden. Auch hier funktioniert der Dateibetrachter ohne Tadel und – weitaus verblüffender – auch der Editor kann auf dem Server gespeicherte Dateien bearbeiten. Dass SpeedEdit am Ende der Operation dann nachfragt, ob es die geänderte Datei wieder hochladen soll, ist logisch, denn direkt auf dem FTP-Server lässt sich nun mal nix öffnen… Ein echter Mehrwert also im Vergleich zu den üblichen FTP-Clients, bei denen eine Datei erst downgeloadet, dann verändert und dann wieder upgeloadet werden muss. Wenn jetzt noch der gleichzeitige Up- bzw. Download mehrerer Dateien ähnlich den Threads vom Veteranen LeechFTP möglich wären, ging auch das Hin- und Herschieben umfangreicherer Projekte schneller.

Weitere nützliche Werkzeuge runden das Programmpaket ab: immer wieder gerne genommen ist das automatische Berechnen von Ordnergrößen, das Synchronisieren von Ordnern, die schnelle Auswahl von Ordern mit Hilfe der Favoriten-Funktion und allerhand mehr, bei dem immer wieder deutlich wird, das SpeedCommander über Jahre hinweg Zeit zum Reifen hatte.

Neben der aktuellen SpeedCommander-Version für Windows XP, Vista und Server steht auch eine U3-Version zur Verfügung, die hier beim Test zum Einsatz kam. Damit wird der SpeedCommander mobil und kann auf jedem U3-Speicherstick installiert und anschließend gestartet werden. Richtig interessant wird dieses Feature, wenn man von wechselnden PCs auf seine Netzwerkfreigaben bzw. FTP-Server zugreifen möchte, da SpeedCommander die nötigen Zugangsdaten nach Belieben speichert. Gerade für Schulnetz-Systembetreuer wird der USB-SpeedCommander so zum digitalen Pendant des Schweizer Taschenmessers, den man bereits nach kurzer Zeit nicht mehr missen möchte.

Fazit
Der SpeedCommander ist ein äußerst mächtiges Werkzeug um sich durch den Datenwust eines PCs zu wühlen. Bereits nach kurzer Eingewöhnungszeit lassen sich Dateioperationen wesentlich schneller erledigen als mit den Windows-Bordmitteln. Für Benutzer, die nur alle paar Wochen mal den Speicherinhalt ihrer Digicam auf die Festplatte ziehen, scheint das Programm jedoch überdimensioniert. Zielgruppe dürfte vielmehr der ambitionierte Benutzer sein, für den der SpeedCommander schnell zum unverzichtbaren Werkzeug wird. Natürlich gibt es im weltweiten Netz zahlreiche andere NC-Clone unterschiedlicher Leistungsfähigkeit, einige davon auch als Freeware. Nachdem ich allerdings schon vor knapp 15 Jahren den SpeedCommander für Windows 3.1 lizenziert hatte, sei mir diese kleine Huldigung in Form dieses Beitrags gestattet 🙂

Eine Einzelplatzlizenz des SpeedCommanders kann über den Online-Shop für knapp 38 Euro bestellt werden. Auf den SpeedProject-Seiten steht eine kostenlose Testversion zum Download zur Verfügung, mit der das Programm 60 Tage nach Lust und Laune ausprobiert werden kann.

Webseite: http://www.speedproject.de/speedcommander/index.html
und weitere Screenshots.

3 Kommentare zu "SpeedCommander"

  1. FreeCommander unterstützt jedoch meines Wissens kein FTP-Transfer in einem Fenster.

  2. Der Totalcommander ist die eierlegende Wollmilchsau! Sowohl FTP als auch WebDAV (bspw. für das GMX-Mailkonto bzw den dazugehörigem 1GB online Speicher namens Mediacenter) als auch ein kostenlosen Brennplugin… und teurer ist das Programm auch nicht!!!

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*