Lichtverschmutzung – die häufig unterschätzte Gefahr

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„Weißt Du, wieviel Sternlein stehen?“ Das ist heutzutage, vor allem in Großstädten, gar nicht so leicht zu beantworten. Denn man sieht sie schlicht nicht mehr, die Sterne. Vor lauter nachts leuchtenden Lichtquellen. Dieses Phänomen nennt man Lichtverschmutzung. Also quasi eine Art Umweltverschmutzung, nur eben mit Licht statt Abfall. Die Lichtverschmutzung betrifft in Europa und den USA 99 % der Bevölkerung. Zwischen 2012 und 2016 ist die beleuchtete Fläche auf der Erde um 9,1 % gewachsen. Und die Helligkeit der bereits vorher schon illuminierten Bereiche nahm noch einmal um 2,2 % zu.
In Deutschland hatten übrigens die Bundesländer Bayern und Schleswig-Holstein den höchsten Anstieg zu verzeichnen.
Ursache dieses „Lichtsmogs“ sind nach oben oder seitlich strahlende Leuchtquellen, wie Leuchtreklamne, Flutlichtanlagen, Straßenbeleuchtungen, Verkehr, Hausbeleuchtungen usw. Auch Industriebeleuchtung mit sehr hellen Flutern bei Nachtarbeit wirkt sich aus.
Stark auffallend sind die „Skybeamer“ zum Beispiel bei Diskotheken oder auf dem Rummelplatz – einzeln wurden sie sogar schon verboten.
Umweltverschmutzung durch Müll nimmt eigentlich jeder negativ wahr – den „Lichtmüll“ aber nur wenige. Deswegen möchte der grüne Finanzdienstleister UDI aus Nürnberg auch hier aufmerksam machen:

Nicht nur störend, sondern gefährlich

Am massivsten leidet die Pflanzenwelt unter solcher Lichtverschmutzung, die dem natürlichen Rhythmus zwischen Tageslicht und Nachtdunkel widerspricht. So wird der Wachstumszyklus beeinflusst, die Pflanze „denkt“, es ist noch hell …. Nachgewiesen wurde beispielsweise, dass Laubbäume an hellen Plätzen später ihr Laub verlieren als im dunklen Wald. Frostschäden sind die Folge.
Dass Falter und Insekten zum Licht hinfliegen und dort verenden, kennt sicher jeder aus eigener Anschauung. Damit entfallen Futterquellen für Vögel und Fledermäuse.
Apropos Vögel – der Zeitpunkt des Vogelzwitscherns am Morgen spielt eine Rolle bei der Partnerwahl. Männchen, die früh singen, sind fit, geben also gute Gene weiter und werden von den Weibchen bevorzugt. Nachgewiesen wurde das u.a. bei Meisen. Das Problem: durch Lichtverschmutzung kommt die innere Uhr durcheinander, das Meisen-Männchen fängt mitten in der Nacht an zu zwitschern. Und kriegt so als vermeintlich „vielversprechender Partner“ das Weibchen ab, obwohl er doch eigentlich desorientiert ist. Nicht die besten Gene vermehren sich, obwohl das ja eigentlich durch die Evolution vorgesehen war ….
Auch Menschen leiden unter der fehlenden Dunkelheit. Der Schlaf-/Wach-Rhythmus wird immer stärker gestört. Körperliche und psychische Beeinträchtigungen sind die Folge. Eine Studie hat sogar einen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und nächtlicher Kunstbeleuchtung nachgewiesen.

Was tun?

Natürlich kann man nicht für die Abschaltung vieler Industrielichtquellen sorgen, auch im Straßenverkehr braucht man Helligkeit zur Sicherheit. Trotzdem kann man aber auch, sensibilisiert, darauf achten:

  • Im Garten oder in der Außenbeleuchtung nach unten gerichtetes Licht nehmen, keine Kugelleuchten.
  • Prüfen, ob diese Lichtquelle wirklich nötig ist.
  • Bewegungsmelder einsetzen, damit das Licht nicht die ganze Zeit durch brennt.
  • Vor allem im Außenbereich warmweißes oder gelbliches Licht verwenden. Das ist für Insekten deutlich weniger anlockend bzw. für Säugetiere weniger störend als Licht mit hohem Blauanteil.

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