Mythos: Vogelschlag durch Windenergie

Werbung

BWE-Infografik-Naturschutz via UDI

BWE-Infografik-Naturschutz via UDI

Eines der Hauptargumente gegen Windkraftanlagen wird in schöner Regelmäßigkeit aus der Schublade geholt. Vögel würden gegen die Rotoren fliegen und sterben. Die fürchterlichen Bilder von geschredderten Vögeln empören. Was ist Fakt?

Als Erstes: verlässliche Zahlen zu finden ist schwierig. Zum einen, weil doch hinter jeder Veröffentlichung ein bestimmter Zweck steht – entweder die Zahlen zu minimieren („ist ja alles gar nicht so schlimm“), oder um sie zu maximieren („ist schrecklich, muss verhindert werden“). Zum anderen, weil die Kadaver / Kadaverteile ja Teil eines natürlichen Kreislaufes sind und durch Fleisch-/Aasfresser vertilgt werden, bevor man sie findet.

Dies sind nach diversen Quellen wie BUND Naturschutz, BWE, UDI die Ursachen für das Schrumpfen der Vogelpopulationen:

  • Verlust an Natur und Lebensräumen
    Immer intensivere Bebauung, Landwirtschaft, immer weniger Wald, Wiesen, freie Natur – das verhindert erstens Nestbau, zweitens fehlt das Futter für die Vögel.
  • Abnahme freßbarer Insekten
    In machen deutschen Gebieten gibt es schon 80 Prozent weniger Insekten als früher. Pestizide, Einheitsbepflanzung statt Fruchtfolge, englischer Rasen oder gar Beton statt grüner Blumenwiese – gerade in der Aufzuchtphase fehlt die eiweißreiche Kost für den gefiederten Nachwuchs.
  • Vogelschlag an Eisenbahnen
    Pro Streckenkilometer kommt es je nach gefahrener Geschwindigkeit zu 0,29 bis 61 Vogelschlägen im Jahr. Bei 160 km/Stunde sind es beispielsweise nach sieben verschiedenen Langzeitstudien rund 20 tote Vögel je km. Eulen und Greifvögel wie Bussard, Schleiereule, Steinkauz und Seeadler sind besonders betroffen. Weil Züge inklusive der Stromabnehmer bis zu 8 Meter hoch sind, gibt es sehr viel mögliche Aufschlagfläche.
  • Vogelschlag durch Autos
    Hier gibt es leider keine Studien oder Zahlen. Vor allem Greifvögel sind betroffen – jeder von uns kennt ja an Autobahnen das Bild, wie der Bussard auf einen Pfosten direkt an der Strecke sitzt und auf Beute lauert. Oder dann eben tot auf der Straße liegt ….
  • Vogelschlag an Glasscheiben, Fenstern und Gebäuden
    Hier wiederum gibt es Zahlen: mindestens 18 Millionen getötete Vögel sind es jährlich in Deutschland.
  • Vogelschlag an Windenergieanlagen
    Im direkten Vergleich: 100.000 bis 200.000 Vögel sind es nach Messungen und Hochrechnungen pro Jahr. Bei knapp 28.000 Windkraftanlagen onshore sind das 3,5 bis 7 tote Vögel je Windrad und Jahr. Das schafft die „durchschnittliche“ nächste Todesursache spielend …
  • Freilaufende oder verwilderte Katzen
    Es gibt ca. 8 Millionen Katzen in Deutschland. Schätzen wir mal, dass jede zweite ein Freigänger ist. Und jeder dieser Freigänger nur 1 Vogel pro Monat tötet und „apportiert“, und das auch nur in den warmen Monaten. Dann sind wir bei 5 Monaten mal 4 Millionen gleich 20 Millionen.

Natürlich ist jeder durch eine unnatürliche Ursache umgekommene Vogel ein toter Vogel zu viel. Aber ausschließlich Windkraftanlagen zu diskriminieren, während wir uns schon an die anderen Ursachen „gewöhnt“ haben (wer will schon auf Zug, Auto, Gebäude verzichten?) – das wäre falsch.

Übrigens, Zugvögel wie Kraniche und Singvögel fliegen deutlich höher als das höchste Windrad … ihre Flughöhe liegt ab 500 Metern, Windräder sind max. 230 Meter hoch.

1 Kommentar zu "Mythos: Vogelschlag durch Windenergie"

  1. Den Begriff „Vogel“ müsste man eigentlich bei dieser Relativierung hier weiter aufdröseln. Todesoper bei Windkraftanlagen sind oft Greifvögel oder keine Vögel wie Fledermäuse, die weniger Opfer von zum Beispiel Katzen werden.

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*